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DAFE - Diagnostische Auto Fluoreszenz Endoskopie

Das Bronchialkarzinom ist zu einer der häufigsten Krebserkrankungen geworden. Es ist für mehr Krebstote verantwortlich als Brustkrebs, Darmkrebs, Leberkrebs, Lymphome und Bauchspeicheldrüsenkrebs zusammen. In den Industriestaaten ist es beim Mann die Ursache für etwa ein Drittel aller Krebstodesfälle. Während in Deutschland beim Mann die Sterbeziffer mittlerweile nicht mehr weiter zuzunehmen scheint, hält bei der Frau der Trend zum weiteren Anstieg an.

OP-Verfahren und OP-Vorbereitung

Beim DAFE -System von R. WOLF identisch mit der konventionellen Weißlichtendoskopie im Bronchialbereich. Es bedarf keinerlei zusätzlicher Vorbereitung. Um die Fluoreszenz zu erzeugen, sind im Gegensatz zur PDD (Photodynamische Diagnostik) keine Medikamente, sog. Photosensibilisatoren (Photosensitizer), erforderlich. Die Fluoreszenz entsteht in körper eigenen Molekülen wie z. B. Riboflavin und wird deshalb als Auto -Fluoreszenz bezeichnet.

Indikatoren

Trotz aller Bemühungen ist es in den letzten Jahrzehnten nicht gelungen, die 5-Jahres-Überlebensrate bei Patienten mit Bronchialkarzinom nennenswert zu verbessern; diese liegt nach wie vor nur bei einem Wert zwischen 10 – 15%.

Einer der Gründe dafür liegt in der Tatsache, dass einerseits mit konventionellen Formen der Diagnose – und dazu zählt auch die Weißlichtendoskopie – präinvasive, d. h. intraepitheliale Läsionen nur unzureichend detektier- und lokalisierbar sind [Ken01]. Andererseits ist aber davon auszugehen, dass sich ein mehr oder weniger hoher Anteil dieser Krebsfrühformen zu invasiven Karzinomen weiter entwickelt. Dieser Anteil ist bei den Carcinoma in situ bereits beträchtlich [Ven00], aber auch bei den mittel- und schwergradigen Dysplasien schon nicht mehr vernachlässigbar [Ris88].

Gerade aber bei den präinvasiven Läsionen (Stadium 0 nach ISS) sind die Heilungschancen bei einer 5-Jahres-Überlebensrate von mehr als 90% noch als sehr hoch zu bewerten, wohingegen sie mit zunehmendem Stadium der Krankheit dramatisch zurückgehen [Tho02].

Die Ursache für die geringe Sensitivität konventioneller Diagnoseformen für intraepitheliale Läsionen liegt zum einen in den geringen geometrischen Dimensionen dieser Läsionen: Diese haben lateral meist nur ein paar wenige Millimeter Durchmesser – teilweise sogar noch weniger – und dehnen sich vor allen Dingen oft nur über wenige Zellschichten aus [Lam00]. Folglich lassen sie sich nicht immer durch ihre Form, d. h. ihre Größe und ihre Erhabenheit, vom umgebenden gesunden Gewebe unterscheiden.

Zum anderen ist aber auch eine farbliche Differenzierung zwischen präinvasiven Läsionen und gesundem Gewebe nur sehr eingeschränkt oder gar nicht möglich.

Daraus resultierend konnten bisher beispielsweise nur etwa 30% aller tatsächlich vorhandenen Carcinoma in situ sichtbar gemacht werden [Woo83]. Bei den Dysplasien ist aufgrund ihrer geringeren Größe und dementsprechend geringeren Auffälligkeit von einem noch kleineren Anteil auszugehen.

Zur Lösung dieser Problematik leistet die Auto-Fluoreszenz-Endoskopie einen wesentlichen Beitrag. Sie führt zu einer deutlichen Verbesserung bei der Detektion und Lokalisierung intraepithialer Läsionen [Gou], [Ren01], [Hor99].

Durch Bestrahlung und Anregung des Bronchialgewebes mit Violett- und Blaulicht eines genau definierten Wellenlängenbandes wird in den körpereigenen Fluorophoren der Bronchialwände Fluoreszenzlicht erzeugt. Dabei handelt es sich um Strahlung, die einem anderen, nämlich geringer-frequenten Wellenlängenband entstammt als das applizierte Anregungslicht. Da das Fluoreszenzverhalten sehr stark vom Gewebezustand abhängig ist – gesundes Gewebe fluoresziert stark, während pathologisch verändertes Gewebe nur schwach fluoresziert – gelingt es, bereits prä- und frühmaligne Gewebeformen gegenüber dem umgebenden gesunden Gewebe kontrastreich darzustellen – ganz im Gegensatz zur konventionellen Weißlichtendoskopie [Zel].

Schon leicht pathologisch verändertes Gewebe hebt sich somit im Fluoreszenzbild deutlich vom gesunden Gewebe ab.

Fluoreszenzbronchoskopisch untersucht werden sollten demnach alle Patienten, bei denen der Verdacht auf eine präinvasive Läsion oder ein mikroninvasives Karzinom besteht.

Dazu zählen:

  • Patienten mit bekanntem oder vorher diagnostiziertem Lungenkrebs
  • Patienten mit Verdacht auf Lungenkrebs aufgrund direkter Symptome wie z. B. Hämoptysen, langandauernder Reizhusten, chronische oder rezidivierende Pneumonien, progrediente Dyspnoe, usw.
  • Patienten mit Verdacht auf Lungenkrebs aufgrund diagnostischer Symptome wie z. B. positives Sputum, erhöhte Tumormarkerkonzentration, Auffälligkeiten beim Röntgen usw.
  • Patienten mit Verdacht auf Lungenkrebs aufgrund ihrer Anamnese

Bei der anamnetischen Erhebung sollten folgende Aspekte berücksichtigt werden:

  • Inhalationsrauchen, evt. in Kombination mit Alkoholmissbrauch
  • berufsbedingte Einflüsse (Exposition gegenüber bestimmten Hartmetallen, aromatischen Kohlenwasserstoffen und ionisierenden Strahlen)
  • prädisponierende Vorerkrankungen (z. B. Tuberkolose)
  • Rezidivierung eines therapierten pulmonalen Tumors
  • pulmonale Metastasierung eines (evt. bereits therapierten) extrapulmonalen Tumors
  • Bildung von Sekundärtumoren als Folgeerscheinung von Bestrahlung oder zytostatischer Therapie eines anderen Tumors
  • Von Bedeutung für die Auto-Fluoreszenz-Endoskopie sind die endoskopisch zugänglichen Bronchialbereiche und damit die zentralen Karzinome und deren Frühformen.

Kontraindikationen

Ausgeschlossen von einer fluoreszenzbronchoskopischen Untersuchung sollten vor allen Dingen jene Patienten, die nicht für eine konventionelle Weißlichtendoskopie zugelassen sind.
Außerdem Patienten,

  • die innerhalb der vorausgehenden drei Monate photosensible Substanzen erhalten haben
  • die innerhalb der vorausgehenden drei Monate entweder mit Zytostatika oder radiologisch therapiert wurden
  • die innerhalb der vorausgehenden drei Monate chemopräventiv behandelt wurden.

Vorteile der Indikatoren

Der entscheidende Benefit der Auto-Fluoreszenz-Endoskopie liegt in der Möglichkeit, das Bronchialkarzinom in einem Stadium sichtbar zu machen und zu therapieren, in welchem die Heilungschancen noch sehr hoch sind [Nag93], [Ish93], [Woo70].

Wechsel von Weisslicht zu Autofluoreszenz durch Maus-Zeiger (Cursor)
Weisslicht- und Autofluoreszenzbilder mit dem DAFE-System von R. WOLF

 

Desweiteren besteht die Möglichkeit, Läsionen, über deren Notwendigkeit der Resektion noch kontrovers diskutiert wird (z. B. leichte Dysplasien), zu detektieren und im Follow-up gezielt deren Entwicklung beobachten (Karzinogenese). Diese Läsionen können gegebenenfalls vorzeitig medikamentös therapiert werden oder bei weiterer maligner Entwicklung dieser Läsionen dann entsprechend instrumentell vorgegangen werden.

Die Detektion und Lokalisierung präinvasiver Läsionen (Stadium 0 nach ISS) eröffnet u. U. aber auch die Möglichkeit, noch mit kurativer Intention auf endobronchiale Therapieverfahren wie z. B. PDT (Photodynamische Therapie) [Mon90], [McC97], [Fre96], [Fre99] Lasertherapie [Cav94], Kryotherapie [Oze90], Therapie mit Elektrokauter [Box98], APC (Argon-Plasma-Koagulation), Brachytherapie [Per97] usw. zurückzugreifen.

Im Gegensatz zur chirurgischen Tumorresektion (z. B. Lobektomie, Bilobektomie oder gar Pneumonektomie), welche bereits ab dem Stadium I nach ISS empfohlen wird [Dom00], sind die meisten dieser Verfahren erstens in der Regel wiederholt anwendbar, z. B. bei Rezidiven oder Neuerkrankungen, und stellen zweitens aufgrund der meist patientenschonenden Funktions- und Wirkungsweisen – zumindest mittel- und langfristig und in einer Vielzahl von Fällen – keine oder eine vergleichsweise geringe Beeinträchtigung der Lebensqualität des Patienten dar. Hinzu kommt, dass die klassischen chirurgischen Resektionsverfahren

  • erstens nicht immer grundsätzlich anwendbar sind: manche Patienten haben beispielsweise aufgrund ihrer Raucherhistorie bereits eine stark eingeschränkte Lungenfunktion, welche durch die erforderliche Resektion unzumutbar weiter beeinträchtigt würde
  • und zweitens nicht immer in dem Umfang, wie es das diagnostische Ergebnis idealerweise erfordern würde, anwendbar sind: beispielsweise hat bereits ein Fünftel aller Patienten mit einem radiologisch okkulten Karzinom multizentrische Läsionen [Fuj00].

Soll die Therapie jedoch mit kurativer Absicht erfolgen, dann muss auch die postoperative Lungenfunktion gewährleistet sein.

Außerdem muss bei der chirurgischen Resektion eine nicht-vernachlässigbare Letalität in Kauf genommen werden, die bereits bei der Lobektomie bei einigen Prozenten liegt [Lod98] und mit Zunahme des Resektionsumfangs ansteigt.

Desweiteren ist es mit der Autofluoreszenz-Endoskopie möglich, auch die Tumorränder klar und deutlich sichtbar zu machen.

Wechsel von Weisslicht zu Autofluoreszenz durch Maus-Zeiger (Cursor)
Autofluoreszenz- und Weisslichtbild mit dem DAFE-System von R. WOLF


So ist beispielsweise die Tumorausdehnung wesentlich besser erkennbar als unter Weißlicht – dies gilt auch dann, wenn bei der Weißlicht-Bronchoskopie statt eines konventionellen Faser-Bronchoskops ein hochauflösendes Videobronchoskop Verwendung findet [Fuj00] – was ein verbessertes Staging ermöglicht. Dies kann gerade bei intraepithelialen Läsionen die Wahl der Therapie (siehe oben) entscheidend beeinflussen [Ren01].

Von großem Vorteil bei der Auto-Fluoreszenz-Endoskopie ist, dass – im Gegensatz zur PDD (Photodynamische Diagnose) – zur Erzeugung der Fluoreszenz keine Medikamente verabreicht werden müssen. Dadurch wird eine Vielzahl potenzieller Probleme wie z.B. die Notwendigkeit der Zulassung des Medikaments (sog. Photosensitizer), die Art und Dosis der Verabreichung, Toxizität, Ausbleichen des Tumormarkers, usw. vermieden.

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